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Wie sich Stress und unterdrückte Emotionen im Körper halten



Wenn alles gut geht, ist unser Gehirn der größte Supercomputer der Welt. Es ist ein komplexes Netzwerk von etwa 100 Milliarden Neuronen, das nicht nur Informationen hervorragend verarbeiten und organisieren kann - es ist auch wirklich, wirklich schnell. Jede Sekunde schwirren irgendwo zwischen 18 und 640 Billionen elektrischer Impulse durch Ihr Gehirn. Diese Matrix kodiert und speichert sorgfältig Ihre Erinnerungen und Erfahrungen, die zusammen ein einzigartiges Mosaik von Ihnen bilden.
Aber was passiert, wenn uns etwas in die Knochen fährt, oder etwas anhaltend auf unsere Nerven geht und dadurch dieses System beeinträchtigt wird? Und wie kommt es, dass kontinuierliche Anspannung, ein Schock oder ein (Entwicklungs-) Trauma in Körper und Geist verbleiben können und sich auf Jahre hinaus auf unsere Gesundheit auswirken? 

Die Wahrheit ist, dass die damit verbundenen Auswirkungen nicht nur "im Kopf" existieren. Es hinterlässt einen echten, physischen Abdruck im Körper, erschüttert Deine Gedächtnisspeicherprozesse und verändert Dein Gehirn. Damit wird es zur Wunde. Im griechischen wird das Wort Trauma für die Wunde verwendet. 

Was ist Trauma? Trauma ist nicht das, was Dir widerfährt, sondern was bei Dir im Körper passiert als Reaktion darauf, was Dir widerfährt. Das was "zu schnell", "zu früh" oder auch einfach "zu viel" ist für den Moment, in dem wir etwas erfahren, löst in unserem Körper einen Überlebens- oder Selbstschutzmechanismen aus, den wir schon seit der Begegnung des Urmenschen mit existentiellen Gefahren erleben durften.

Ein unbehandeltes Trauma aus der Vergangenheit kann einen großen Einfluss auf Deine zukünftige Gesundheit haben. Die emotionalen und körperlichen Reaktionen, die es auslöst, können Dich laut Untersuchungen der Harvard Medical School anfälliger für schwere Gesundheitszustände wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs machen. Oder auch simpler für einen Bandscheibenvorfall, ständige Übermüdung, oder Kopfschmerzen.

Darüber hinaus steigt das Risiko, psychische und physische Gesundheitsprobleme zu entwickeln, mit der Anzahl der stressigen Ereignisse, die Du erlebst. 



Kennst Du das, dass Du von einem Raum in einen anderen gehst, um etwas zu holen und wenn Du angekommen bist, hast Du vergessen, was du wolltest? Viele Menschen gehen dann zurück "auf Anfang", zurück an den Platz, nehmen die Haltung ein wie zuvor und wie oft fällt uns dann wieder ein was wir holen wollten? Unser Körper erinnert sich. Unser Körper hat ein ganz eigenes Gedächtnis. 

Äußerlich mögen seelische Belastungen, Anspannungen und Wunden sich nicht zeigen und wir können ganz und gesund aussehen, aber ein Trauma kann wie eine körperliche Wunde unsichtbar "eitern" und die Abwehrkräfte des Körpers schwächen, bis es sich im Körper manifestiert.

Was ändert sich also, wenn wir ein Trauma erleben? Und wo wird es im Körper gespeichert?
Schauen wir uns einmal an, was mit unserem Supercomputer passiert, wenn er einen Schock erlebt.
Ein Trauma kann dazu führen, dass unser Gedächtnisverarbeitungssystem nicht mehr funktioniert: Das deklarative explizite Gedächtnissystem versagt, so dass das traumatische Gedächtnis nicht richtig erfasst und gespeichert wird.


Stattdessen greift unser Supercomputer auf eine einfachere Methode zur Aufzeichnung von Signalen zurück und kodiert traumatische Erinnerungen als Bilder oder Körperempfindungen. Dies nennt man Dissoziation: Erinnerungen werden in Fragmente zerlegt. Diese bleiben wie Schrapnelle im Gehirn eingebettet und behindern den natürlichen Erholungsprozess des Gehirns. Bösartige Fragmente können sich als Symptome manifestieren, die häufig mit posttraumatischem Stress in Verbindung gebracht werden und unser Risiko erhöhen, ernsthaft körperlich zu erkranken.
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann das Gehirn sichtbar verändern. Nach dem Selbstmordattentat von Manchester im Jahr 2017, bei dem 22 Menschen im Konzert von Ariana Grande ums Leben kamen, veröffentlichte sie ein Bild eines Hirnscans, das die Auswirkungen des Traumas auf ihr Gehirn zeigte.
Sie sprach über ihren Kampf mit PTSD, sagte sie:
"Ich habe das Gefühl, dass ich nicht einmal über meine eigenen Erfahrungen sprechen sollte - so wie ich gar nichts sagen sollte. Ich glaube nicht, dass ich jemals wissen werde, wie ich darüber reden und nicht weinen soll. Es ist schwer, darüber zu sprechen, weil so viele Menschen einen so schweren, enormen Verlust erlitten haben. Aber, ja, es ist eine echte Sache."



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Ariana Grande stellt ihren Gehirnscan auf Instagram vor.
Die drei Teile des Gehirns, die für die Verarbeitung von Stress verantwortlich sind, können sich verändern, wenn Menschen unter unbewältigten Emotionen bis hin zu PTBS leiden:
- Der Hippocampus schrumpft - dies ist das Zentrum für Emotionen und Gedächtnis
- Die Funktion der Amygdala nimmt zu - das Zentrum für Kreativität und Wiederkäuen
- Die präfrontale / anteriore cinguläre Funktion nimmt ab - das Zentrum für komplexere Funktionen wie Planung und Selbstentwicklung
Wie ein Virus in unserem Kodierungssystem können unbearbeitete traumatische Erinnerungen zu Stolpersteinen werden, die unsere psychischen und physischen Prozesse stören. Hinweise auf zelluläres Gedächtnis zeigen, dass nicht nur unser Gehirn, sondern auch die Zellen unseres Körpers einen Abdruck vergangener traumatischer Ereignisse enthalten.

Was kann also gegen diese "reale Sache" unternommen werden?
Die gute Nachricht ist, dass ein vergangenes Trauma Sie nicht ein Leben lang beeinflussen muss. Es ist ein behandelbares Problem, und Hilfe ist da draußen.
Eine Therapie kann dabei helfen, die traumatischen Erinnerungen aufzuschließen oder zu verarbeiten und sie aus der Gefangenschaft in Ihrem System zu befreien. Wenn die traumatische Erinnerung wieder integriert ist, kann das Gehirn beginnen, sich zu heilen.

Insbesondere Meditation und körperliche Aktivität, wie z.B. neurogenes Zittern und bewußter Tanz, bringen in dieser Befreiung echte Ergebnisse und können den Heilungsprozess unterstützen.
Eine Studie des Traumazentrums über die Behandlung von PTBS ergab, dass "Somatische Erfahrungen, als bewußte Bewegung, weitaus wirksamer war als jede Medizin, die die Menschen bisher studiert haben. Das bedeutet nicht, dass Somatisch-bewußte Bewegung sie heilt, aber Somatisch-bewußte Bewegung macht einen wesentlichen Unterschied in die richtige Richtung".


Das Loslassen von Traumata aus Geist und Körper kann unglaublich starke Folgen haben. PhD Kelly Turner untersuchte ausgiebig todkranke Krebspatienten, die ihre Krankheit entgegen allen Erwartungen besiegt haben. Sie fand heraus, dass Menschen, die sich in Spontanremission befinden, oft das Loslassen von emotionalem Stress oder Trauma als eine Schlüsselkomponente ihrer Heilung nannten. "Sie müssen nicht feststecken", sagt die Harvard-Psychiatrieprofessorin Dr. Kerry Ressler, "es besteht eine gute Chance, dass Sie das hinter sich lassen können".
Unser Körper mag zwar "den Schrecken verkörpern" (siehe das gleichnamige Buch von Bessel van der Kolk), aber seine unglaubliche Fähigkeit zu heilen macht mich jedesmal demütig.


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